Seit Anfang des Jahres befindet sich in Hannover der zweite Bundesstützpunkt Rugby. Dort ist seitdem Christian Doering als Regional Development Coordinator unter anderem für den Auf- und Ausbau der Infrastruktur in den Vereinen und die Beratung und Unterstützung des jeweiligen Landesverbandes und der Vereine bei der Entwicklung und beim Aufbau professioneller Strukturen verantwortlich, um schlussendlich eine nachhaltige Steigerung der Mitgliedergewinnung zu erreichen. Im Interview mit Doering (Foto: Stephan Janus) und DRV-Ausbildungsleiter und National Development Coordinator Peter Smutna gibt es hier einen kurzen Überblick über das bisher Erreichte.

Herr Smutna, wie ist eigentlich der Status Quo im Bereich der Sportentwicklung im deutschen Rugby?
Peter Smutna: Im Spitzensportbereich haben wir uns in der Vergangenheit wegen mangelnder personeller Ressourcen und Infrastruktur vornehmlich auf die Konzentration unserer Maßnahmen am Bundesstützpunkt Heidelberg beschränken müssen. Diese Herangehensweise hat uns beachtliche internationale Erfolge gebracht. Um aber langfristig international erfolgreich sein zu können, brauchen wir deutlich mehr starke Stützpunkte.

Mit Hannover konnte da ja Anfang des Jahres ein wichtiger Schritt gemacht werden.
Peter Smutna: Das ist sehr erfreulich, und die Arbeit dort ist in allen Bereichen sehr gut angelaufen und trägt merklich Früchte. Aber damit sind wir natürlich noch immer nicht am Ziel. Neben den weiterhin geplanten Standorten Berlin und Frankfurt haben wir die Metropolregion Rhein-Ruhr (Köln), die Region München die Metropolregion Hamburg und Mitteldeutschland als mögliche Standorte eines Rugby-Landesstützpunktes ausgemacht.

Und an jedem Standort soll künftig auch ein Regional Development Coordinator tätig sein, wie es in Hannover mit Christian Doering bereits erfolgreich praktiziert wird?
Peter Smutna: Genau! Unsere Spitzensportprojekte werden nur dann nachhaltig erfolgreich sein, wenn wir sie auf ein stabiles Breitensport-Fundament stellen. Die Breitensportprojekte Get Into Rugby sowie die Aus- und Weiterbildung der Rugby- und Athletiktrainer, Schiedsrichter und des medizinisches Personals über die Deutsche Rugby-Akademie haben wir bereits auf ein neues Niveau gehoben. Im nächsten Schritt wollen wir in den acht identifizierten Regionen hauptamtliche Mitarbeiter installieren, um die Arbeit der Vereine und Landesverbände noch effektiver unterstützen zu können. Christian leistet da in Hannover bereits beispielhafte Arbeit.

Herr Doering, berichten Sie uns bitte kurz von Ihrer Arbeit.
Christian Doering: Mein Hauptfokus lag seit Anfang des Jahres darin, in der Region Hannover, Braunschweig und Wolfsburg sowohl den Auf- und Ausbau der Infrastruktur in den Vereinen, als auch den Aufbau professioneller Strukturen des ansässigen Landesverbandes zu unterstützen und voranzutreiben. Ziel ist es, in den nächsten Jahren eine konstante, nachhaltige und stabile Mitgliedergewinnung aufzubauen.

Und gibt es bereits sichtbare Erfolge?
Christian Doering: Da wir es geschafft haben, Rugby in der Region Hannover als Endzonenspiel im Lehrplan zu verankern, wurde als zentraler Punkt die Ausbildung der angehenden Lehrer, also von Studenten, forciert. Lehrer werden dadurch in ihrer Ausbildung frühzeitig mit Rugby in Kontakt gebracht, um eigenständig Rugby im Sportunterricht durchzuführen. Neben der Universität Osnabrück, in der im Sommersemester 2019 bereits der erste Kurs stattfindet, starten im Herbst die Universitäten von Hannover, Hildesheim, Braunschweig und Göttingen mit dem Kurs „Methodik und Didaktik – Rugby im Schulsport“. Um diese Maßnahmen aber auch effektiv aufgreifen zu können, muss parallel die Voraussetzung geschaffen werden, dass die Kinder und Jugendlichen in den Vereinen auch adäquat betreut werden. Hier wurde durch eine bessere Betreuung der Ausbildungsleiter und der Ausbilder in der Region ein erhöhtes Angebot von Aus- und Fortbildungen erreicht. Aktuell sind in den ersten Monaten mehr Aus- und Fortbildungen durchgeführt worden – wie im ganzen Jahr 2018.

Und wie sehen die nächsten Schritte aus?
Christian Doering: Mit den Vereinen fand bereits eine Reihe von Strukturgesprächen statt, um erste Maßnahmen zur Mitgliedergewinnung zu planen und umzusetzen – etwa ein „Bring your Friends“-Day oder Tage der offenen Tür. Die Vereine werden auch hinsichtlich der regionalen und kommunalen Sportfördersystematik beraten, begleitet und mit dem Landesverband gemeinsam unterstützt. Zudem wurden Schulkoordinatoren in den Vereinen installiert, um den Kontakt zwischen Schule und Verein zu vereinfachen. Derzeit liegt unser Fokus auf der Bereitstellung und Ausbildung von FSJlern. Diese motivierten Sportfreunde finden vielseitige Einsatzmöglichkeiten. Ob Schule, Kinder- und Nachwuchstraining oder auch in der Unterstützung aller anfallenden Entwicklungstätigkeiten in den Vereinen. Das erklärte Ziel des DRV im Raum Hannover ist bis Ende 2019, dass alle Vereine von dem FSJ-Programm profitieren.