Das deutsche 15er-Rugbynationalteam der Frauen ist sportlich aus der Rugby Europe XV Womens Championship abgestiegen. Im entscheidenden Spiel unterlag das Team der Nationaltrainer Paul McGuigan und Dirk Frase in Bonn am Ende deutlich mit 5:20 (0:5) gegen die Aufsteigerinnen aus Russland. Das deutsche Team verteidigte über 80 Minuten gut, hatte allerdings Schwierigkeiten, selbst offensiv Akzente zu setzen. Der einzige deutsche Versuch gelang erst in der Nachspielzeit durch Amelie Harris. Nun meldete allerdings der europäische Verband Rugby Europe, dass kein Team aus der XV Women Championship absteigen werde. Offenbar gab es eine entsprechende Änderung des Modus. Damit würde das deutsche Team auch in der nächsten Saison in der höchsten europäischen Spielklasse unterhalb der Six Nations antreten dürfen. (Foto: Fernando Fath)

„Am Ende waren die Russinnen heute das cleverere und abgezocktere Team und haben deshalb am Ende auch verdient gewonnen“, gab Coach Dirk Frase nach dem Spiel zu. „Es war das erwartet physische Spiel, aber wir haben den Kampf angenommen und defensiv sehr gut dagegen gehalten. Leider haben wir in einigen hektischen Phasen immer mal wieder den Faden verloren. Wir waren offensiv nicht gut in der Unterstützung, konnten so unsere Chancen nicht nutzen. Und haben wir es nicht oft genug geschafft, unser System durchzusetzen und die schweren Stürmerinnen zu umgehen. Die Mädels haben aber alles gegeben. Und wir sind überzeugt, dass wir nach dem Neustart mit diesem Team immer noch auf einem guten Weg sind. Wenn es jetzt so ist, wie man von Rugby Europe hört, dann freuen wir uns natürlich, dass wir uns auch im nächsten Jahr auf diesem Level beweisen können.“

Bei kühlen Temperaturen und nassem Platz in Bonn übernahm zunächst der erwartungsgemäß starke russische Sturm die Initiative. In der ersten Angriffsserie machte er Meter um Meter. Nach einem Straftritt im Gedränge für Russland nahe des deutschen Malfelds war der Druck zu groß. Russland arbeitete sich mit Pick-&-Go zum ersten Versuch vor (8.). Die Erhöhung war nicht erfolgreich, aber die DRV-Damen mussten früh einem Rückstand hinterherlaufen. Die Russinnen blieben sehr präsent, dominant in den Standards und verteidigten aggressiv. Auch wenn beide Teams sich viele Fehler leisteten, hatte Deutschland in dieser frühen Phase kaum etwas vom Spiel. Immerhin saßen die Tacklings in der Verteidigung, sodass es vorerst beim 0:5-Rückstand blieb.

Erst nach einer knappen halben Stunde schien Deutschland auch offensiv etwas besser ins Spiel zu finden. Julia Braun brach erstmals außen durch, wurde vom russischen Schluss aber noch ins Aus getackelt (30.). Aber auch die Russinnen blieben jederzeit gefährlich, weil es ihnen gelang, aus deutschen Fehlern gute Gelegenheiten zu kreieren, die sie aber – zum Glück für die DRV-Frauen – nicht zu nutzen wussten. Insgesamt war das Spiel jetzt aber ausgeglichener, auch im Gedränge hielt das deutsche Team nun besser dagegen. So blieb es zur Halbzeit beim 0:5-Rückstand. Pech: Kurz vor dem Pausenpfiff musste noch Julia Braun verletzt ausgewechselt werden. Für sie spielte Amelie Harris weiter.

Russland überrumpelte die DRV-Verteidigung direkt nach Wiederanpfiff mit mehreren Offloads und stieß bis tief in die deutsche 22-Meter-Zone vor. Doch nach langen Minuten harter Abwehrarbeit eroberte Melissa Paul den Ball zurück (48.). Sofort machte Deutschland mit schnellem Spiel wieder Druck, belohnte sich aber noch nicht. Insgesamt machten die Gastgeberinnen mit fortlaufender Spielzeit den fitteren Eindruck, aber Russland blieb weiter gefährlich. Und in der 64. Minute war es geschehen: Diana Loginova trug den Ball über 30 Meter bis nahe ans deutsche Malfeld, und die Russinnen fanden zum zweiten Mal die Lücke in der sonst guten deutschen Verteidigung (65.). Auch diesmal ging der Erhöhungskick vorbei – 0:10.

Das DRV-Team schien jetzt merklich beeindruckt: Erst misslang der Ankick völlig, und dann wieder ein schneller Durchbruch der Russinnen (71.). Doch erneut holt die Defensive die Kohlen aus dem Feuer, hielt die Gegnerinnen mehrfach im Malfeld hoch. In der 75. Minute dann aber doch die Vorentscheidung: Vom Gedränge an der deutschen 22-Meter-Linie spielte Russland schnell nach rechts, wo Deutschland nicht gut verteidigt und den dritten versuch zulässt, der diesmal auch erhöht wird. Und kurz darauf setzte Russland den nächsten Straftritt zu den Stangen und schraubte so das Ergebnis auf 20:0 (78.).

Doch das deutsche Team um die unermüdliche Sturmführerin Elisa Trick stckte nicht auf und kam noch zum Ehrenversuch: Laura Schwinn gelang der Durchbruch. Sie trug den Ball bis in die 22-Meter-Zone der Russinnen, wo schlussendlich Amelie Harris für die Ergebniskosmetik sorgte (80.+).

Punkte:
0:5 (8.) Versuch RUS
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0:10 (65.) Versuch RUS
0:17 (75.) Versuch und Erhöhung RUS
0:20 (78.) Straftritt RUS
5:20 (80.+) Versuch Amelie Harris

Aufstellung Deutschland:
1 Mareike Bier (70. Marlene Lorenz) – 2 Friederike Löhr – 3 Jessica Neues (44. Melissa Paul) – 4 Monica Yee (79. Luise Lauter) – 5 Nora Baltruweit – 6 Svetlana Hess (62. Anja Czaika) – 7 Mona Bieringer (75. Denise Schwaiger) – 8 Elisa Trick – 9 Josephine Pora – 10 Vivian Bahlmann – 11 Gesine Adler – 12 Katharina Epp – 13 Lisa Bohrmann (77. Elena Korn) – 14 Julia Braun (40. Amelie Harris) – 15 Laura Schwinn

Schiedsrichterin: Clara Munarini (ITA)