Die deutschen U18-Junioren haben bei der 7er-Rugbyeuropameisterschaft in Heidelberg das Viertelfinale denkbar knapp verpasst. Das Team um die Nationaltrainer Jan Ceselka und Max Pietrek feierte in der Vorrunde zwar zwei Siege – gegen Luxemburg und überraschend auch gegen Titelverteidiger Irland – doch am Ende entschied unter drei Punkt gleichen Teams in der starken Gruppe A die Punktedifferenz gegen den 7er-Nachwuchs des Deutschen Rugby-Verbandes und für die Iren und die Georgier, die anstelle des deutschen Teams in die Runde der besten Acht einziehen. Damit geht es für die DRV-Auswahl am Sonntag bestenfalls noch um Rang neun. Gleich früh um 9.30 Uhr müsste dafür zunächst Litauen geschlagen werden.

„Die Jungs haben die Situation, wie sie sich am Ende dargestellt hat, gut angenommen, waren einfach glücklich über den Sieg gegen Irland“, beschrieb Jan Ceselka die Stimmung nach dem letzten Spiel. Die Jungs haben sich hier gut verkauft, hatten einen etwas mühsamen Start gegen Luxemburg. Dann hatten wir sehr gut gegen Georgien begonnen, was sich dann nach vier, fünf Minuten gedreht hat, und dann das Highlight gegen die Iren. Die Einordnung dieses Sieges wird sicher erst in den drei Spielen morgen stattfinden. Dann kann man ein echtes Fazit ziehen.“

Max Pietrek gab zu, dass auch etwas Enttäuschung vorherrscht: „Wir hatten uns das Viertelfinale zum Ziel gesetzt, waren ganz knapp dran. Ich denke aber, am Ende haben wir uns für ein starkes Spiel mit dem Sieg gegen den amtierenden Europameister belohnt. Das wird uns einen Motivationsschub für den morgigen Tag geben.“

In der Auftaktpartie gegen Außenseiter Luxemburg war dem deutschen Team noch anzumerken, dass es vor eigenem Publikum im heimischen Fritz-Grunebaum-Sportpark noch etwas nervös war. Luxemburg machte zunächst Druck, doch die DRVer befreiten sich davon spielerisch und gingen durch Anton Gleitze, der unter den Malstangen ablegte, und die erfolgreiche Erhöhung von Benedikt Müssig mit 7:0 in Führung. Zwar antwortete Luxemburg durch einen Lauf über die rechte Seite mit einem ebenfalls erhöhten Versuch zum Ausgleich, doch in der Folge setzten die deutschen Junioren ihr Spiel durch. Jack Hunt stellte mit zwei sehenswerten Versuchen den absolut leistungsgerechten 17:7-Pausenstand her.

Deutschland hielt den Druck auch in der zweiten Hälfte hoch, kam so mehrfach in gute Position, doch erst Luis Diel gelang der vierte Versuch zum 22:7. Und nach einem Ballgewinn gelang Hugo Kellaway der Durchbruch, der nach einem langen Sprint durch die Mitte den nächsten Versuch und auch die Erhöhung durch Müssig einbrachte. Beim Stand von nun 29:7 „erlaubte“ man dem Gegner in der Schlussphase noch einen erhöhten Versuch zur Ergebniskosmetik. „Wir haben noch nicht die Performance gezeigt, die wir zeigen können“, monierte Coach Max Pietrek nach dem Auftaktsieg.

Einen mehr als ordentlichen Start legte das deutsche Team im zweiten Spiel gegen Georgien hin. Die Osteuropäer machten erwartungsgemäß Druck, doch die ersten Punkte holte Deutschland, als Jack Hunt auf der rechten Seite frei gespielt wurde und Benedikt Müssig sicher erhöhte. Georgien blieb unbeeindruckt, drückte weiter auf den ersten Versuch, doch die DRV-Abwehr packte mehrfach gut zu und parierte die gegnerischen Bemühungen. Hugo Kellaway war es dann, der gleich zwei Gegenspieler aussteigen ließ und unter den Stangen den zweiten Versuch legte. Müssig nahm den Erhöhungskick zu locker und traf nur den Pfosten, doch es stand 12:0 für die Deutschen, die bis dahin eine sehr konzentrierte und nahezu fehlerfreie Leistung abgeliefert hatten. Doch in der Folge ging die Sicherheit verloren. Georgien gelang doch noch der erste Versuch, der nicht erhöht wurde, doch nachdem Kellaway den Ball im Offload weggegeben hatte, nutzten die Georgier das, um noch vor dem Seitenwechsel auf 10:12 zu verkürzen.

Deutschland bekam nun kaum noch Zugriff auf das Spiel, während Georgien die Partie bereits kurz nach Wiederanpfiff drehen konnte. Die georgische Offensive war jetzt agiler und nutzte ihre Chancen konsequent zu Punkten, und die deutsche Defensive fand kein Mittel mehr, um das zu unterbinden. So legte Georgien im zweiten Durchgang noch zwei weitere Male ab und gewann am Ende noch klar mit 29:12.

Gegen den noch amtierenden Europameister Irland ging die DRV-Juniorenauswahl als klarer Außenseiter ins Spiel, doch davon war zunächst nichts zu sehen. Die Fans jubelten bereits früh, als Jack Hunt nach einem Überkick den Ball im Malfeld aufnahm. Der Schiedsrichter hatte zuvor jedoch abgepfiffen. Die Deutschen drängten jedoch auf das irische Malfeld. Die Grünhemden hielten lange Stand, und doch markierte Luis Diel mit seinem Versuch ganz rechts außen, der nicht erhöht wurde, die 5:0-Führung. Die DRVer blieben am Drücker, auch wenn man sich jeden Raumgewinn hart erarbeiten musste. Jack Hunt mit einem erneut auf rechts heraus gespielten Versuch und Benedikt Müssig mit den zusätzlichen zwei Punkten erhöhten auf 12:0. Doch das war es noch immer nicht, denn nach einem Ballgewinn war es Philip Gleitze, der auf der rechten Seite durch war und eine ganz starke erste Halbzeit mit dem Versuch zum 17:0-Pausenstand krönte.

Die Partie schien aber wieder zu kippen. Mit etwas Glück gelang Irland mit der ersten Offensivaktion im zweiten Durchgang der erste Versuch inklusive Erhöhung. Deutschland war in dieser Phase von der Rolle, leistete sich zwei, drei katastrophale Ballverluste, die Irland aber „nur“ zu einem weiteren erhöhten Versuch nutzen konnte. Erst hinten raus fand die DRV-Auswahl ihren spielerischen Faden wieder und brachte die knappe 17:14-Führung zum überraschenden Erfolg über die Zeit. Die Spieler jubelten völlig zu Recht, doch die Ernüchterung folgte praktisch auf dem Fuß.