Die deutsche Rugby-Nationalmannschaft spielte in der ersten Halbzeit der EM-Partie gegen Russland in der ersten Halbzeit groß auf. Mit 15:12 ging die DRV XV im Pforzheimer Südwestenergie-Stadion vor 1.232 Zuschauern in die Pause. Und es sollte noch besser kommen: In der 57. Minute baute die Mannschaft von Kobus Potgieter ihren Vorsprung auf den Zwischenstand von 22:12 aus – und war auf dem Weg, erfolgreich Revanche für die 20:31-Niederlage in der WM-Qualifikation vor einem Jahr zu nehmen. Doch dann nahm das Unheil seinen Lauf. In den letzten zwanzig Minuten der Partie brachten nur noch die russischen Bären Punkte auf die Anzeigentafel und entschieden das Spiel in der Rugby Europe Championship deutlich mit 46:22 für sich.

„Wir haben nach der Zehn-Punkte-Führung an unseren Sieg geglaubt, Doch danach haben wir uns alle fünf Minuten nach den Versuchen der Russen nur noch in unserem Malfeld versammelt. Das ist sehr frustrierend“, zeichnete Kapitän Clemens von Grumbkow (Heidelberger RK) nach dem Spiel die Gemütslage seiner Mannschaft nach. Dabei legte die DRV-Auswahl schon wie in der Vorwoche gegen Georgien los wie die Feuerwehr. Bereits in der ersten Minute verwandelte Verbinder Chris Hilsenbeck (US Colomiers) einen Straftritt zur 3:0-Führung für die Hausherren. Und nur vier Minuten später tauchte Flanker Kehoma Brenner (Heidelberger RK) nach einer Gasse und einem anschließendem Paket zum ersten Versuch des Spiels in das russische Malfeld ein. Und auch als die Russen konterten und nach zwei Versuchen (14./ 25.) mit 12:8 in Führung gingen, ließ sich die deutsche Mannschaft nicht entmutigen und stellte durch den zweiten Versuch von Brenner und einer geglückten Erhöhung von Hilsenbeck den 15:12-Halbzeitstand (32.) her.

Und auch im zweiten Durchgang eröffnete Kehoma Brenner mit seinem dritten Versuch den Punktereigen, den Chris Hilsenbeck abermals mit einer erfolgreichen Erhöhung zum 22:12 für die DRV XV ausbaute (56.). Doch als die Zuschauer in Pforzheim bereits an die EM-Revanche glaubten, riss bei der deutschen Mannschaft der spielerische Faden – und fortan dominierten nur noch die Russen das Geschehen auf dem Rasen. Mit geschickten Kicks sowie kraftvollen und schnellen Einzelaktionen bereiteten die Gäste im Fünf-Minuten-Takt ihre Versuche vor und fuhren am Ende einen deutlichen 46:22-Sieg ein.

„Unser Ziel war es, die Fehler aus dem Auftaktspiel gegen Georgien abzustellen und gegen Russland einen Schritt nach vorne zu machen. Das hat bis zur 60. Minute auch wunderbar geklappt. Doch das reicht im Rugby leider nicht. Wir müssen im nächsten Spiel diese Leistung über die vollen 80. Minuten abrufen“, erklärte DRV-Nationaltrainer Kobus Potgieter nach der Partie. Auffällig war, dass die Russen der deutschen Mannschaft körperlich überlegen waren. Hinzu kommt, dass „sie seit Jahren auf diesem hohen Niveau spielen, an das wir uns als Aufsteiger erst gewöhnen und heranarbeiten müssen“, betonte Potgieter.

Deutschland belegt nach der zweiten Heimniederlage punktlos den letzten Tabellenplatz in der Rugby Europe Championship. Nun geht es in zwei Wochen (28. Februar) zum Kellerduell nach Portugal. Zeit also für die DRV XV, die ersten Punkte in der Europameisterschaft einzufahren. Doch Deutschland ist gewarnt – die Südeuropäer haben lediglich mit 15:20 beim Titelverteidiger Georgien verloren und haben sich so einen defensiven Bonuspunkt erkämpft

Kader DRV XV

1. Arthur Zeiler (Matthias Schösser, 67.)
2. Alexander Widiker
3. Damien Tussac
4. Robert Mohr (Robert May, 59.)
5. Michael Poppmeier
6. Kehoma Brenner
7. Robert Hittel
8. Alan Kessen (Falk Duwe, 33.)
9. Tim Menzel
10. Chris Hilsenbeck (Jeremy Te Huia, 72.)
11. Hendrik van der Merwe (Marten Strauch, 40.)
12. PaulBosch
13. Clemens von Grumbkow
14. Mark Sztyndera
15. Steffen Liebig