Niemand hat von der deutschen Rugby-Nationalmannschaft einen Sieg zum EM-Auftakt erwartet. Denn zum ersten Auftritt nach fünf Jahren in der Rugby Europe Championship empfing die DRV XV in Heusenstamm den Titelverteidiger und haushohen Favoriten Georgien. Ebenso deutlich fiel das Ergebnis aus: Das deutsche Team musste gegen die „Lelos“ am Ende mit 8:64 (8:31) die Segel streichen. Doch diese Niederlage macht Mut für die kommenden schweren Aufgaben der DRV XV in der Europameisterschaft 2015.

Die deutsche Rugby-Nationalmannschaft legte im Sportzentrum Martinsee los wie die Feuerwehr. Die 3.143 Zuschauern trauten ihren Augen nicht. Vom Ankick an marschierte die DRV XV nach vorne. Lohn war der sehenswerte Dropkick von Verbinder Jeremy te Huia (TV Pforzheim) zur deutschen 3:0-Führung (2.). Und die Mannschaft von DRV-Nationaltrainer Kobus Potgieter setzte nach und zeigte sich völlig unbeeindruckt von den großen Namen auf Seiten der Georgier. Daher war es umso ärgerlicher, dass Eckdreiviertel Mark Sztyndera (SC Frankfurt 1880) nach einem überharten Einsatz für zehn Minuten auf die Strafbank musste (6.). Die nummerische Überzahl nutzte Georgien eiskalt aus und zog bis zur 14. Minuten auf 14:3 davon. Dabei gelang der Hintermannschaft der Gäste immer wieder gefährliche Durchbrüche. Zudem mussten die deutschen Stürmer Schwerstarbeit gegen die wuchtigen Angreifer der Georgier leisten.

Doch die DRV XV ließ sich von dem georgischen Angriffswirbel nicht beeindrucken. Im Gegenteil: Nach einem schönen Bodenkick von Kapitän Clemens von Grumbkow konnte Schluss Steffen Liebig (beide Heidelberger RK) zum 8:21 (28.) im georgische n Malfeld eintauchen. Doch dann war es mit der deutschen Herrlichkeit vorbei. Zu viele Fehler schlichen sich in das Spiel der Hausherren ein, agierten die DRV-Spieler oftmals zu unkonzentriert. Folge: Bis zur Halbzeit musste die deutsche Mannschaft noch drei bittere Versuche zum 8:31 schlucken.

„Wir wussten, dass es nicht einfach werden würde. Doch wir haben es Georgien auch ein wenig zu leicht gemacht und in der Vorwärtsbewegung zu oft unbedrängt den Ball verloren. Diese Fehler hat Georgien dann eiskalt ausgenutzt“, resümierte DRV-Nationaltrainer Kobus Potgieter nach dem Schlusspfiff. Im zweiten Durchgang musste seine Mannschaft dem hohen Tempo und der physischen Überlegenheit der Georgier Tribut zollen. Zu viele verpasste Tacklings waren die Folge. „Dennoch war gegenüber den Testspielen eine deutliche Steigerung in der kämpferischen Einstellung und im Zusammenspiel zu erkennen“, betonte Potgieter. Und damit liegt die DRV XV voll im Plan. „Wir wollen uns Schritt für Schritt von Spiel zu Spiel steigern“, sagte der Nationaltrainer und betonte aber im selben Atemzug, dass gegen „Russland aber auch eine entsprechende Leitung aufs Feld“ gebracht werden müsse. Denn gegen die russischen Bären steht am nächsten Samstag (14, Februar, 14 Uhr) in Pforzheim die mögliche EM-Revanche für die unglückliche 20:31-Niederlage vergangenes Jahr in der WM-Qualifikation an.

Der Auftritt der deutschen Mannschaft gegen Georgien macht dabei Mut. Denn die kämpferische Einstellung der Spieler stimmte. Nur wäre es utopisch gewesen, gegen die erfahrene und mit zahlreichen Profis aus den französischen und englischen Top-Ligen gespickte georgische Mannschaft einen Sieg zu erwarten. Daher liegt die DRV  XV mit diesem EM-Auftakt voll im Plan, ihre Mission Klassenerhalt in der Rugby Europe Championship erfolgreich zu gestalten.

DRV XV:

  1. Samy Füchsel (Chris Howells, 25.)
    2. Mika Tyumenev (Dale Garner, 51.)
    3. Matthias Schösser (Marcus Bender, 77.)
    4. Michael Poppmeier (Falk Duwe, 77.)
    5. Robert May
    6. Robert Hittel (Kehoma Brenner, 56.)
    7. Umberto Pilla
    8. Alan Kessen
    9. Tim Menzel (Sean Armstrong, 51.)
    10. Jeremy te Huia (Pierre Mathurin, 77.)
    11. Mark Sztyndera
    12. Anjo Buckman (Carlos Soteras-Merz, 56.)
    13. Clemens von Grumbkow (C)
    14. Hendrik van der Merve
    15. Steffen Liebig