Die Führung des Deutschen Rugby-Verbandes, in Person von Präsident Klaus Blank, Geschäftsführer Volker Himmer sowie Sportdirektor Manuel Wilhelm, hat sich im Anschluss an das letzte Spiel der November-Tests in Offenbach gegen Chile im Rahmen einer Pressekonferenz den Fragen der anwesenden Journalisten gestellt, um ihre Sicht der Dinge in dem momentan schwierigen Verhältnis zwischen 15er-Nationalmannschaft und Verband darzustellen sowie in einigen Fragen für Klarheit zu sorgen. In Offenbach war eine nach dem Schreiben der Gesellschaft zur Förderung des Rugbysports, seine Angestellten für die Vorbereitung und das Spiel nicht zur Verfügung zu stellen, sowie dem anschließenden kurzfristigen Boykott des Nationalteams eine völlig neu zusammengestellte Mannschaft aufgelaufen.

Es war in der vergangenen Woche auch emotional hoch hergegangen, wie Präsident Klaus Blank unterstrich. „Es war wirklich keine leichte Woche. Nicht nur emotional, sondern in erster Linie für alle, die mitgeholfen haben, dass dieses Spiel hier und heute stattfinden konnte. Das war das oberste Ziel, und dafür gebührt allen mein persönlicher Dank.“ Allerdings griff er eine Aussage der letzten Tage im Speziellen heraus: „Dass mehrfach behauptet wurde, die Funktionäre des DRV würden sich die Taschen vollstopfen, hat mich persönlich sehr getroffen. Das fand ich schon ziemlich derb, und ich möchte das in aller Deutlichkeit von uns weisen. Im Präsidium handeln ehrenamtliche Mitarbeiter, die sich mit großem Engagement dem Rugbysport verschrieben haben.“ Aber auch darüber hinaus seien viele Vorwürfe an den DRV aufgetaucht, die ihn in der Form überrascht hätten. „Wir waren ja in Kontakt mit den Spielern. Von daher war diese Art der Konfrontation, bei der zum Teil Behauptungen aufgetaucht sind, die für mich nicht nachvollziehbar waren, schon sehr überraschend.“

Auch der für den sportlichen Bereich verantwortliche Manuel Wilhelm bekräftigte, wie schwierig die Situation für alle Beteiligten war. „Wir waren der Meinung, dass wir für diese drei Testspiele gemeinsam eine gute Lösung gefunden hatten. Und auch für die Zeit nach diesen Spielen waren wir sehr nahe an einer guten Lösung. Es gab ja umfangreiche Absprachen mit der GFR. Wir haben für die November-Tests ein hochwertiges Programm aufgestellt. Das Trainerteam wurde von uns finanziert, die Spieler waren – von uns beantragt – unter vollen Bezügen von der GFR freigestellt. Da gibt es eine schriftliche Vereinbarung, die nun einseitig aufgekündigt wurde.“ Man habe allerdings auch klargemacht, dass der DRV nicht in der Lage sein werde, selbst in einem idealen Szenario die Spieler beim Verband zu beschäftigen. Die Tatsache, dass man die Maßnahme unter großen Anstrengungen auf gewohnt hohem Niveau organisiert habe, hätte den Spielern auch Sicherheit geben müssen, nicht zuletzt, weil zu keinem Zeitpunkt Unklarheit darüber geherrscht hatte, wie der Trainerstab aussehen würde. „Wir haben Kobus Potgieter, der bei uns seit 2013 mit einer Honorarvereinbarung unter Vertrag steht, nicht gekündigt, und auch der Trainer hat uns nicht gekündigt. Es gab Gespräche, wie wir vielleicht die Positionen Director of Rugby der WRA und Nationaltrainer zukünftig entzerren müssen, damit es dort keine Interessenskonflikte gibt zwischen dem Arbeitgeber der Spieler und dem Nationaltrainer gibt. Da wünschen wir uns eine unvoreingenommene Berufung. Wir hatten uns aber verständigt, dass auf die Zeit nach der WM-Qualifikation zu vertagen. Von daher aus unserer Sicht kein Grund, dass eine Unsicherheit bestanden hat. Wir verstehen die Spieler, dass es schwierig ist, wenn der Arbeitgeber mit dem Verband uneinig ist, aber ich habe kein Verständnis dafür, wenn man dem Ruf, für seine Nationalmannschaft zu spielen, aus diese Art und Weise nicht folgt.“

Geschäftsführer Volker Himmer erklärte, dass der DRV ein größeres Portfolio als seine Herren-Nationalteams habe. „Wir müssen Trainer und Schiedsrichter ausbilden, wir müssen uns auch um den Breitensport, den Nachwuchs und die Frauen kümmern. Und es ist auch klar, dass ein gemeinnütziger Verband keine Profimannschaft anstellen darf. Die letzte Vereinbarung lautete, dass die GFR erst mit Mitteln einspringt, wenn der Verband seine Mittel für die 15er-Nationalmannschaft aufgebraucht habe. In dieser Form konnten wir also nicht weitermachen. Das haben wir versucht klarzumachen. Der DRV hatte ja bereits ein gemeinsam mit dem Stiftungsrat angepasstes Angebot unterschrieben, das dann aber nicht akzeptiert wurde.

Auch Klaus Blank stellte klar, dass „wir zu jedem Zeitpunkt eine wie auch immer geartete Kooperation fortführen wollten. Nach den letzten Veröffentlichungen ist das natürlich eine schwierigere Herausforderung.“ Man setzte sich mit jedem Mäzen oder Sponsor, der das deutsche Rugby unterstützen will, an einen Tisch. Allerdings hatte bereits der Weltverband kritisch angemerkt, dass die Einflussmöglichkeiten gerade auf die Nationalmannschaften kontrollierbar bleiben müssten. „Diesen klar geäußerten Erwartungen des Weltverbandes müssen wir natürlich in Zukunft Rechnung tragen“, so Blank.

Den Vorwürfen der Mannschaft an den DRV bezüglich mangelnder Kommunikation und einer nicht optimalen Vorbereitung auf die Spiele, traten die DRV-Verantwortlichen klar entgegen. „Klaus Blank, Volker Himmer und ich haben uns am Montag vor dem Brasilien-Spiel mit der kompletten Mannschaft getroffen, hatten einen sehr guten und offenen Austausch. Dabei haben wir die ausdrückliche Einladung ausgesprochen, Fragen gerne privat an uns zu übermitteln und uns frühzeitig Bescheid zu geben, wenn irgendwo der Schuh drückt. Das ist nicht geschehen. Daher war die Aussage, sie fühlten sich alleingelassen, zu diesem Zeitpunkt für mich irritierend“, beschrieb Manuel Wilhelm. Mit Hans-Joachim Wallenwein sei zudem der DRV-Vize 15er-Rugby ständig bei der Mannschaft gewesen, und auch der Sportdirektor sei mehrfach beim Training des Teams gewesen, habe sich dabei unter anderem konstruktiv mit dem Trainer ausgetauscht, um kurzfristig Dinge zu ermöglichen, wie etwa einen Consultant aus Portugal, der zuvor mit den USA gearbeitet habe, oder dem Hinzuziehen einer Sportpsychologin. „Wir sprechen von einem Staff von acht, neun Leuten. Nicht wie die ‚All Blacks’, aber auf einem ordentlichen internationalen Niveau. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass wir in diesem Bereich in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht haben – mit dem Wohlergehen der Spieler im Auge.“ Von daher wäre die Art und Weise, wie die Vorwürfe vorgetragen wurden, enttäuschend gewesen. „Ich hätte mir gewünscht, dass man den Hilferuf erstmal bei uns platziert, gerade nachdem diese Einladung erfolgt war, sich auszutauschen.“

Angesprochen auf den viel zitierten Plan B, betonte der DRV-Sportdirektor, dass man bis zuletzt versucht habe, sich auf einen Plan A, nämlich mit der Fortsetzung der erfolgreichen Kooperation, zu verständigen. Der GFR/WRA sei bereits im Juni ein ausführlicher Strategieplan des DRV zugesandt worden, der die Tür für eine Fortsetzung der Zusammenarbeit offen lässt, der aber auch sicherstelle, dass der DRV im Falle eines Scheiterns nicht in ein allzu tiefes Loch fällt. Darüber hinaus gab es eine sportliche Konzeption, in der beide Sportdirektoren übereingekommen waren, unabhängig von einer wirtschaftlichen Einigung diese Konzeption aufrecht zu erhalten. „Im Übrigen war es auch ein Wunsch der GFR/WRA, nicht zu früh Fakten zu schaffen und stattdessen Schnittstellen offen zu halten, um doch noch zu einer Fortführung der Kooperation kommen zu können.“ Angesichts der jetzigen Situation ginge es nun aber nicht mehr um Plan B, sondern man müsse mittlerweile von Plan C oder D sprechen.

Wilhelm gab aber auch zu, sich in der Vergangenheit zu sehr in eine Abhängigkeit von der WRA begeben zu haben: „Dieses Tempo, das wir in der Entwicklung angeschlagen haben, hätten wir ohne die WRA nicht erreicht. Wir waren schon in einen Modus verfallen: Es läuft so gut, da fummeln wir mal nicht mit drin rum. Das hat sich dann aber so sehr verselbstständigt, dass dann nahezu eine Abkopplung zwischen Verbandsarbeit und der Stiftung bzw. der späteren GmbH erfolgte. So weit, dass GFR/WRA mit potenziellen Sponsoren für den DRV verhandelt, mit World Rugby direkt gesprochen hat, ohne uns mit einzubeziehen trotz des ausdrücklichen Wunsches des Weltverbandes. Oder, dass man vor zwei Wochen bei der Deutschen Sporthilfe vorstellig wurde, um eine Förderung für die ohnehin schon als Profispieler beschäftigten 15er-Spieler zu erreichen. Da sind Eingriffe in die Verbandsarbeit vorgekommen, die so nicht hätten passieren dürfen. Das ist aber zum Teil auch uns anzulasten, weil wir da zu spät reagiert haben. Dies darf in Zukunft auf keinen Fall mehr passieren, denn hier liegt ja eine der Kernaufgaben eines Verbandes.“

Beim DRV müsse man sich nach den nun über die Runden gebrachten Länderspielen intensiv damit befassen, wie weiter vorgegangen wird. „Wir stehen diesbezüglich in intensivem Austausch mit dem Weltverband, der den Streik als inakzeptabel bezeichnete“, berichtet Manuel Wilhelm. Klaus Blank: „Wir wollen und werden nicht alle über einen Kamm scheren, sondern klar differenzieren. Aber an der einen oder anderen Stelle wird es eine deutliche Reaktion geben müssen“, kündigte der DRV-Präsident mögliche Sanktionen an. Man habe gesehen, dass es noch immer Spieler gebe, die für ihr Land in Extremsituationen einstehen. „Es gibt immer einen weiteren Weg. Ob der gut oder optimal ist, oder ob man damit ambitionierte Ziele erreichen kann, ist eine andere Frage.“

Volker Himmer sprach im Zusammenhang mit den aktuellen Vorgängen von einem wirtschaftlichen Frontalangriff: „Wäre es nicht gelungen, die Euphorie in den Spielern zu entfachen, hätte das massive Folgen gehabt. Der Gedanke, der Rugby ausmacht, ist immer noch vorhanden in unserer Community. Den müssen wir wieder wecken und zusammen mit potenziellen Sponsoren und Partnern wieder so in den Fokus rücken. Das macht uns aus.“ Jetzt müsse man allerdings erst einmal eine Timeline festlegen, um ein erneutes „Trouble Shooting“ zu verhindern. „Wir wollen gesichert in die EM-Runde gehen mit klar festgelegten Voraussetzungen.“

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The German Rugby Association management answers questions from the media

The management of the Germany Rugby Association, President Klaus Blank, Managing Director, Volker Himmer and Sports Director Manuel Wilhelm, held a press conference in Offenbach Germany, following on from the last game of the November Test against Chile. They addressed journalists’ questions and clarified their viewpoints on the current tense relationship between the German 15s rugby and the club. After an official memo was sent out by the Society for the Promotion of Rugby Sports (GFR) declaring that it would not release its employees for training or for the game itself, a short-term strike was announced by the team and a newly assembled team played in Offenbach.

“Last week was a highly emotionally charged week.” Said President Klaus Blank. “It was a really difficult week, not just on an emotional level but first and foremost for all those who supported us in ensuring that this game took place here today. This was our main priority and I pay tribute to everyone who supported us in achieving this goal.” He then singled out a statement from the past few days: “I was very personally affected by the often repeated claim that the DRV officials only wanted to line their pockets. I consider this to be a gross misrepresentation and I wish to clarify that the committee is made up of volunteers who are highly committed to the sport of rugby.”

Moreover, several surprising accusations towards the DRV have also surfaced recently: “We were in direct contact to the players themselves and therefore the manner in which these inexplicable allegations surfaced came as a big surprise to me.”

Manuel Wilhelm, co-responsible for the area of sport, affirmed how difficult the situation was for everyone involved: “We thought that we had found a good solution for these three test games and were very close to finding a good solution for the period following these games. There were extensive agreements in place with the GFR and we had set up a high quality programme for the November test games. We had financed the training team and the players were released from their commitments by the GFR on full pay, as we requested. There was a written agreement which has now been unilaterally terminated.”  However, it has also been stipulated that the DRV will not be able to employ the players in the club, even in the best case scenario. The fact that this was organised with great effort, adhering to the usual high standards, should have reassured the players, not least because at no point was there any uncertainty as to how the coaching team would be made up. “We did not suspend Kobus Potgieter who has been under contract with us since 2013 on a fixed remuneration agreement. Nor did the trainer dismiss us. We held talks on how we potentially need to define the roles of the Director of Rugby of the WRA and the national coaches in the future so as to avoid conflicts of interests between the players’ employer and the national trainer.

We would ideally prefer an unbiased agreement but we have had agreed to postpone this until after the World Cup qualifier. From our perspective, there was no reason for any uncertainty. We understand the players, and understand that it is difficult when the employer is in discordance with the club but I cannot understand why the players would not follow their calling to play for their national team.”

Managing Director Volker Himmer explained that the DRV was more than just the men’s national team. “We have to train referees and trainers and we have to oversee the youth and women’s’ teams and indeed the sport in general. It is also clear that a non-profit association may not employ a professional team. The last agreement stipulated that he GFR can only intervene if the club has used up all its resources up for the 15s team. We could not continue in this way and we tried to make this clear. The DRV had already signed an amended offer with the Board of Trustees, which was ultimately rejected.”

Klaus Blank also made his position clear: “We wanted to continue any form of cooperation at all times.  Of course, this has become more of a challenge since the recent claims.” They sat down together – every patron or sponsor who supports German rugby, however, the World Association had already critically noted that the streams of influence on the national teams should remain limited. “Of course, we have to take the clearly expressed expectations of the World Association into account in the future,“ says Blank.

The allegations made by the team against the DRV relating to lack of communication and sub-optimal preparation for the games were addressed clearly by the DRV management. “Klaus Blank, Volker Himmer and myself, Manual Wilhelm, met with the whole team before the Brazilian game on Monday and had a very fruitful and open discussion in which we clearly invited the players to address any questions to us personally and to tell us well in advance if they felt that something was wrong. This did not happen. That is why the claim that the players felt somewhat abandoned confused me at the time.” Says Manuel Wilhelm.  Moreover, the DRV vice 15s and Hans-Joachim Wallenwein were constantly with the team, and the sports director was also present on several occasions during training sessions. During this time, several constructive conversations with the trainer were had which resulted in short-term decisions being made and implemented such as contracting a consultant from Portugal who had worked with the USA or getting a sports therapist for the team. “We are talking about a team of eight, nine staff members, not on the level of the All Blacks of course, but on a standard international level. I know from experience that we have made great progress in this area over the past few years, always with the wellbeing of the players in mind. This is why the way the allegations were made was disappointing for me. It would have been nice if the call for help had been made to us directly, particularly after the invitation was issued to approach us at any time”

When asked about the much-cited plan B, the DRV sports director stressed that they had tried, until the end, to agree on a plan A, namely the continuation of the successful cooperation between the two parties. The GFR/WRA had already been sent a detailed strategy plan from the DRV in June which left the door open for the continuation of the cooperation and also ensured that the DRV would not plunge into an abyss if the plan were to fail.  Furthermore, a sports concept was in place which stipulated that both sports directors had to maintain it, regardless of any economic agreements in place. “Incidentally, it was also at the request of the GFR/WRA to keep all options on the table to continue the cooperation when all facts were in place.” in light of the current situation, however, it is no longer about plan B, but we have to talk of plan C or plan D even.

Wilhelm also admitted that he had become too dependent on the WRA in the past. “The pace of development that we have slipped into would not have been maintained without the WRA. We had already slipped into the comfort zone – it was going so well that we didn’t even question anything. It became such a a matter of course that a decoupling almost took place between the work of the club and the foundation (later GmbH – LTD), to the extent that GFR / WRA is negotiating with potential sponsors for the DRV, and have spoken directly to the World Rugby without involving us, despite the express request of the World Federation.  Furthermore, two weeks ago they held a presentation at the Deutsche Sporthilfe (German Sport Aid) with the aim to get a promotion for the 15s team members already employed as professional players. These are interventions into the work of the Club which should not have happened.  This is, however, partly our fault because our reaction came too late.  This must not happen again under any circumstances because this is one of the core tasks of a club.”

The DVR now has to deal with how to proceed following this round of international matches: “We are in intense discussions with the World Association, which classified the strike as unacceptable.” Reports Manual Wilhelm. Klaus Blank: “We do not wish to, nor will we apply a ‘one size fits all’ approach, however in some areas there will need to be a clear reaction.” This reaction will be manifested in the form of potential sanctions according to the DRV president. It has been noted that there are still players who stand for their country in extreme situations. “There is always another way. Whether this way is good or even optimal and whether ambitious goals can be achieved is another question altogether.”

Volker Himmer described the current events in terms of economic frontal attacks: “Had we not succeeded in igniting euphoria in the players, the consequences would have been far-reaching. The concept of rugby is still prevalent in our community. We have to revive this with potential sponsors and partners and bring it back into focus. This is what defines us.”  But now it is about setting a timeframe to prevent the necessity for another trouble-shooting session. „We want to go to the European Championship qualifiers with certainty and clearly defined conditions.”