Rugby-Nationaltrainer Kobus Potgieter hatte angekündigt, auch junge und einige neue Spielern im Rahmen der bevorstehenden November-Tests im Kreis der 15er-Nationalmannschaft unter die Lupe nehmen zu wollen, um zu sehen, ob sie auf Sicht eine Alternative für den deutschen Kader sein können. Nicht mehr einer der ganz jungen, aber doch einer der Neuen im Aufgebot des DRV ist der in Südafrika geborene Wynston Cameron-Dow vom SC Frankfurt 1880. Der 28-Jährige ist einer von drei nominierten Spielern aus Hessen. Mittlerweile musste allerdings Routinier Mark Sztyndera wegen einer Meniskus-Verletzung für die November-Tests passen, und das junge Sturmtalent Marcel Becker hat den endgültigen Sprung in den Kader noch nicht geschafft.

Doch Cameron-Dow, der über die „three-year residency rule“ des Weltverbandes seit Kurzem für die deutsche Nationalmannschaft spielberechtigt ist, gilt durchaus als Einer, der auf Sicht eine wirklich gute Alternative für Nationaltrainer Kobus Potgieter werden könnte. Der im südafrikanischen Durban geborene Spieler, der bereits seit zehn Jahren als Profi in Südafrika, Australien und nun in Deutschland spielt, überzeugt vor allem durch seine Vielseitigkeit. „Wynston ist in der Hintermannschaft sehr variabel einsetzbar. Er ist auf jeden Fall ein Spieler, der Tiefe ins Team bringt, wo wir sie brauchen“, so Coach Potgieter. „Wie alle anderen auch muss er sich seinen Platz im Kader verdienen. Wir sind aber froh, dass wir so einen talentierten Spieler im Team haben.“ Der Eindruck, den Cameron-Dow im Rahmen der Europapokalspiele im European Continental Shield sowie im ersten Testspiel gegen Brasilien hinterlassen hatte, sei sehr gut gewesen. „Darauf wollen wir weiter aufbauen“, so Potgieter.

Der Verbinder des SC Frankfurt 1880 hatte sich bereits früh mit dem Gedanken befasst, in Zukunft einmal mit dem Bundesadler auf der Brust auflaufen zu können. „Als ich in Deutschland ankam, hatte Kobus Potgieter früh Kontakt aufgenommen und mir diese Möglichkeit aufgezeigt. Von diesem Moment an hatte ich mir das als Ziel gesetzt“, erzählt Cameron-Dow. Der Südafrikaner, der in Australien bereits Super Rugby gespielt hat, schlug für diesen Traum sogar ein Angebot aus Frankreich aus, um die Drei-Jahres-Regel nicht zu gefährden. „Jetzt für Deutschland spielen zu dürfen, ist für mich eine große Ehre, eine Verantwortung und bislang mein persönliches Karriere-Highlight. Ich will in diesem Team eine wichtige Rolle spielen und die Coaches überzeugen.“

Zumindest hat er sich vorgenommen, in Zukunft ein fester Bestandteil der deutschen Nationalmannschaft zu werden. „Ich plane, in Deutschland zu bleiben, mir hier mit meiner Familie – im Januar wird Cameron-Dow erstmals Vater – ein Leben aufzubauen.“ Damit wäre er für das Nationalteam praktisch jederzeit verfügbar in den kommenden Jahren.

Wie sich die DRV XV in den vergangenen Jahren entwickelt hat, beeindruckt den Südafrikaner. „Das Team hat große Schritte gemacht. Nicht nur der aktuelle Kader, auch die jungen Spieler in Deutschland haben großes Potenzial. In Frankfurt etwa wird im Jugendbereich tolle Arbeit geleistet, wie anderswo auch. Wenn wir alle Spieler an Bord haben, gäbe es aus meiner Sicht keinen Grund, warum wir uns nicht für den World Cup qualifizieren könnten. Ich denke, das ist absolut möglich.“

Um dieses Ziel tatsächlich erreichen zu können, braucht es in Deutschland auch Spieler vom Format eines Wynston Cameron-Dow. Das meint zumindest Frankfurts Routinier Mark Sztyndera. „Da, wo wir hinwollen, brauchen wir mindestens 40 richtig gute Leute im Kader. Und dazu gehört für mich auch Wynston.“ Er sei ein top ausgebildeter Rugbyspieler mit einem guten Auge, der Stärken im Tackling und im Kickspiel hat. „Es macht unheimlich viel Spaß, mit ihm zusammenzuspielen.“ Sztyndera ist überzeugt, dass sich sein Teamkollege schnell in das Nationalteam integrieren könne. „Natürlich wird es anfangs schwer, ins System reinzukommen. Aber er trainiert mit den Jungs seit mehreren Wochen. Er wird sich seinen Platz hart erarbeiten müssen, aber er hat absolut das Zeug dazu und ist nach meiner Meinung auf Sicht eine Bereicherung für diese Mannschaft.“

Wer sich selbst ein Bild von dem „Neuling“ machen will, kann dies bei den anstehenden Länderspielen der DRV XV gegen die USA in Wiesbaden am 18. November und gegen Chile in Offenbach am 25. November tun.

Tickets gibt es im Vorverkauf im Internet unter

www.rugby2017.de