Die deutschen U18-Junioren haben bei der 7er-Rugbyeuropameisterschaft im litauischen Panevezys nur knapp eine Medaille verpasst. Nach einem überragenden Start in den zweiten Turniertag, wo man im Viertelfinale das mitfavorisierte Team Great Britain ausschaltete, musste man sich im Halbfinale den Iren geschlagen geben. Im Bronze-Match gegen Spanien sah es lange nach einem deutschen Erfolg aus, ehe man in den letzten Sekunden die Medaille noch aus der Hand gab und sich so mit einem vierten Platz „begnügen“ muss.

„Das Ende ist natürlich bitter für uns, und die Jungs sind auch entsprechend enttäuscht“, sagte Nationaltrainer Max Pietrek. „Bronze wäre sicher verdient gewesen, und aus unserer Sicht war in diesem Turnier auch das Finale absolut drin. Wir haben hier ein junges Team, dem sogar noch der eine oder andere Spieler gefehlt hat. Die Jungs haben ihre Lektionen hier gelernt und nehmen viel mit.  Insgesamt sieht man deutlich die hervorragende Arbeit, die an den Stützpunkten geleistet wird. Die Jungs haben deutlich bessere Skills als in den vergangenen Jahren. Wir haben wirklich ein paar echte Talente entwickelt, die absolut das Potenzial haben, in den nächsten Jahren auch eine Verstärkung bei den Herren sein zu können.“

Am ersten Turniertag hatte man sich souverän ins Viertelfinale gespielt und damit das vor dem Turnier gesteckte Ziel erreicht. In der Gruppenphase feierte man überzeugende Siege gegen Rumänien (33:7) und die Ukraine (33:14) und musste sich nur dem späteren Europameister Frankreich mit 0:38 geschlagen geben.

Im Viertelfinale wartete mit dem Team GB einer der Mitfavoriten auf den Turniersieg und die damit verbundene Qualifikation für die Youth Olympic Games. Die Briten machten auch gleich deutlich, wohin es für sie gehen sollte, legten früh zwei Versuche und gingen mit 10:0 in Führung. Doch die DRV-Auswahl spürte, das hier was drin war, legte durch Wolfram Hacker nach langem Lauf durch die Mitte den ersten Versuch, den der starke Kicker Benedikt Spieß sicher zum 7:10-Pausenstand erhöhte. Nach dem Seitenwechsel übernahm das deutsche Team vollends die Initiative, legte durch Anton Gleitze und erneut Hacker noch zwei Versuche nach, die Spieß beide erhöhte, sodass am Ende ein verdientes 21:10 auf der Anzeigetafel stand. „Ein echtes Topspiel von uns“, lobte Coach Pietrek. „Nach kleinen Fehlern zu Beginn, die auch bestraft wurden, haben wir uns toll zurückgekämpft. Eine Superentwicklung im Vergleich zu den letzten Jahren, das Spiel gegen einen starken Gegner in dieser Art noch zu drehen.“

Im Halbfinale gegen die Iren war die Partie lange offen. „Taktisch waren wir eigentlich gut eingestellt“, fand Pietrek, „aber wir hätten vor der Pause schon punkten müssen.“ Das gelang allerdings nur den Iren, die zur Halbzeit mit 7:0 führten. Auch danach fand Deutschland nicht so richtig ins Spiel, traf ein paar falsche Entscheidungen und musste Mitte der zweiten Hälfte den zweiten Versuch hinnehmen. Danach war die Luft merklich raus, die Iren hatte das Spiel unter Kontrolle und legten zu leicht noch zwei Versuche zum 24:0-Endstand nach.

Gegen Spanien wollte man es dann wieder besser machen. Nach einem guten ersten Drive gab man den Ball allerdings zu leicht aus der Hand und musste zuschauen, wie Spanien frei durch war und den ersten erhöhten Versuch markierte. Und nachdem man eine eigene Gasse nicht sichern konnte, spielten die Iberer den Ball gut auf die freie rechte Seite und erhöhte sogar auf 12:0. Die DRV-Junioren taten sich noch schwer, eine Lücke in der agilen spanischen Deckung zu finden. Erst kurz vor dem Pausensignal warf sich Benedikt Spieß unter den Stangen ins Malfeld, erhöhte gleich selbst und durfte noch mal ankicken. Den Ankick holte man sich gleich, drückte mit Macht in Richtung des gegnerischen Malfelds, das Philip Gleitze ganz links auch noch mal erreichte. Spieß traf den schwierigen Kick, und zur Halbzeit war die Partie bereits gedreht – 14:12.

Der Start in die zweite Hälfte war stark, Wolfram Hacker tanzte gleich zwei Gegenspieler aus und legte zum Versuch ab, den Spieß wieder sicher erhöhte. Mit nun 21:12 sah es sehr gut aus für die DRV-Auswahl, zumal Spanien in dieser Phase nichts einfiel, um selbst in Reichweite von Punkten zu kommen. Doch dann war es wieder eine verlorene Gasse, die Spanien für sich zu nutzen wusste, und die die Iberer bis auf zwei Punkte heran und damit ins Spiel zurückbrachte. In der Schlussphase drückte Spanien noch mal, während Deutschland die Ruhe nicht bewahren und sich nicht aus der eigenen 22-Meter-Zone befreien konnte. So kam Spanien noch mal an den Ball und legte ganz rechts zum entscheidenden Versuch und zum 21:24 aus deutscher Sicht ab.

„Insgesamt sind wir sehr zufrieden mit diesem Ergebnis“, unterstrich Max Pietrek abschließend. „Wir haben starke Teams geschlagen, hatten wirklich keinen Spaziergang durch dieses Turnier. Wir wollten ins Viertelfinale, das haben wir im letzten Jahr nicht geschafft. Jetzt sind wir Vierter – von daher steht eine klare Verbesserung zu Buche. Auch wenn wir uns natürlich einen besseren Abschluss gewünscht hätten.“