Die deutsche 7er-Rugby-Nationalmannschaft der Männer hatte das Ticket zur Sevens World Series wieder ganz dicht vor der Nase, und wieder wurde es der DRV VII auf der Ziellinie weggeschnappt. War es im vergangenen Jahr Spanien, so gewann diesmal der Olympia-Vierte aus Japan mit einem Versuch in der Nachspielzeit zum 14:19 aus deutscher Sicht das Endspiel im World Series Qualifier in Hong Kong und spielt damit anstelle der deutschen Mannschaft in der nächsten Saison im Konzert der besten Siebener-Teams der Welt. (Foto: Jan Perlich)

DRV-Sportdirektor Manuel Wilhelm: „Ziel erneut ganz knapp verpasst! Die Enttäuschung im gesamten Team ist jetzt natürlich unfassbar groß. Es wird noch eine Weile dauern, bis die Jungs das verarbeitet haben und voll fokussiert die nächsten Aufgaben angehen können. Aber es bleibt festzuhalten: Wir haben als Mannschaft wieder Fortschritte gemacht. Jetzt nehmen wir erneut Anlauf. Der Fokus liegt nun erstmal darauf, uns über die Europameisterschaftsserie wieder für Hong Kong zu qualifizieren.“

Finale: Deutschland – Japan             14:19 (14:5)
Das deutsche Team begann ein wenig nervös gegen die favorisierten Japaner – und kassierte in der 2. Minute dann auch den ersten Gegenversuch durch Japans Starspieler Siosifa Lisala. Zwar wurde der erste japanische Durchbruch noch gestoppt, aber dann wurde gut verlagert und Lisala machte die Punkte. Als dann DRV-Kapitän Tim Lichtenberg wegen Ballrausschlagens noch die Gelbe Karte sah und für zwei Minuten vom Platz musste, drohte der komplette Fehlstart. Doch in Unterzahl eroberte John Dawe den Ball, Bastian Himmer gelang ein sehenswerter Durchbruch. Er schaute sich noch mal um und sah den als Unterstützung mitgelaufenen Dawe, der den Ball bis unter die Stangen trug. Fabian Heimpel erhöhte sicher, und Deutschland lag mit 7:5 vorn (4.). Es war ein Spiel auf Messers Schneide. In der 5. Minute war Lisala erneut durch, brach das Tackling von Himmer. Doch Sebastian Fromm holte den Japan-Sprinter noch ein und verhinderte damit weitere Punkte. Stattdessen war es Bastian Himmer, der nach einer gewonnenen Gasse den Ball von Fabian Heimpel bekam und zum zweiten deutschen Versuch ablegte, den Heimpel erneut zum 14:5-Pausenstand erhöhte (7.).

Es war auch im zweiten Durchgang ein völlig offenes Spiel, in dem beide Teams stark verteidigten und mutig nach vorn spielten, in dem aber zunächst Japan mit seinem zweiten Versuch, der nicht erhöht wurde, auf 12:14 verkürzen konnte (9.). Es wogte hin und her, das deutsche Team jagte jeden Ball, setzte jedes Tackling und suchte selbst die Entscheidung mit guten Vorstößen. Doch anstatt den Ball bei weniger als 30 Sekunden auf der Uhr zu halten, sah Carlos Soteras Merz die Chance, mit einem Diagonalkick auf die rechte Seite zu Marvin Dieckmann die endgültige Entscheidung herbeizuführen. Der Ball geriet einen Tick zu lang, ging ins Aus. Japan kam so in Ballbesitz, spielte den nächsten Straftritt schnell an und brachte den Ball in der Nachspielzeit auf die rechte Seite zu Siosifa Lisala, der nicht mehr aufzuhalten war und mit dem entscheidenden Versuch dafür sorgte, dass alle deutschen Spieler vor Enttäuschung über das erneut so knapp verpasste Ziel auf den Rasen sanken. Die bedeutungslose Erhöhung gelang auch noch. Endstand: 14:19 aus deutscher Sicht.

Halbfinale: Deutschland – Chile                  19:12 (5:5)
Es war die erwartet hohe Hürde im Halbfinale, aber die deutsche Mannschaft hat sie – wie schon im HK7s-Halbfinale 2017 – erfolgreich genommen. Es war eine ausgesprochen ausgeglichene erste Halbzeit, in der es zunächst einen kurzen Schreckmoment gab, als nach einem Tackling Sebastian Fromm liegen blieb und sich die Schulter hielt. Doch dann war es eben jener Fromm, der die DRV VII in Führung brachte. Nach einer gewonnenen Gasse kam der Pass von Bastian Himmer, und Fromm tankte sich gegen zwei Verteidiger bis ins Malfeld durch (2.). In der Folge allerdings machte Chile mit seinem schnellen Spiel den etwas gefährlicheren Eindruck, aber die Deutschen packten in der Verteidigung gut zu. Dennoch glichen die Südamerikaner in der 5. Minute aus, als sie gut verschoben und auf der linken Seite Benjamin de Vidts für den Versuch freispielten (5.). So ging es in die kurze Halbzeitpause.

Deutschland brachte frische Kräfte, und das zahlte sich aus. Zwar spielte es sich weiter auf Augenhöhe ab, doch Deutschland war jetzt effektiver. Nach einem Fehler der Chilenen im Ruck spielte Fabian Heimpel den Straftritt schnell an, passte auf Bastian Himmer, der zu einem seiner langen Sprints ansetzte und den links außen im Malfeld ablegte (10.). Heimpel traf dazu die schwierige Erhöhung. Jetzt machte Deutschland den besseren Eindruck – und machte in der 13. Minute den Deckel drauf. Fabian Heimpel zeigte erneut den in diesem Turnier schon mehrfach erfolgreichen Diagonalkick nach rechts genau in die Arme des freistehenden Marvin Dieckmann, der seinen nächsten Versuch verbuchte. Heimpel traf auch diese Erhöhung und stellte damit auf 19:5. Nach einer recht chaotischen Angriffsphase kam Chile in der Schlussminute zwar noch zu einem erhöhten Versuch durch Martin Verschae, doch der reichte nicht mehr, um Deutschland aus dem Finalspiel zu verdrängen.