Gleich zwei Akteure feiern im EM-Spiel ihr Debüt im Dress der DRV XV: Tim Biniak (20, Foto) vom RK Heusenstamm und Robert Hittel (21) vom Heidelberger TV streifen sich am Sonnabend (5. April, 15 Uhr) gegen Tschechien für die deutsche 15er-Nationalmannschaft das erste Mal das Trikot mit dem Adler über. Für beide Spieler kam die Nominierung überraschend. Denn eigentlich gehen die Nachwuchskräfte in der olympischen 7er-Variante auf Punktejagd.

„Nationaltrainer Kobus Potgieter hat mich vor ein paar Wochen gefragt, ob ich mir vorstellen könne, auch 15er zu spielen, da die Hintermannschaft etwas dünn besetzt wäre. Aber direkt nominiert zu werden, kam auch für mich etwas unerwartet“, gesteht Tim Biniak. „Jetzt freue ich mich auf meinen Einsatz und bin auf positive Weise aufgeregt.“ Sein Trainer hat keine Bedenken, den Youngster in den EM-Kader zu berufen. „Tim ist ein physischer und schneller Spieler mit einem guten Ballvortrag. In 1:1-Situationen ist er nur schwer zu stoppen“, betont DRV-Nationaltrainer Kobus Potgieter. Und um dieses gute Niveau noch zu verbessern, arbeitet der Sportsoldat täglich im Kraftraum und auf dem Platz.

Dabei nimmt er auch in Kauf, dass er zwischen zwischen dem Bundesstützpunkt in Heidelberg und seinem Heimatverein RK Heusenstamm unter der Woche auch pendeln muss. Unterstützung bekommt Biniak dabei von seiner Familie. „Sie stehen alle hinter mir und spornen mich immer wieder an, weiter zu machen“, sagt der Heusenstammer. „Besonders mein Vater, der alles für mich macht. Aber auch meine Freundin ist für mich da, auch wenn es ihr nicht immer leicht fällt, weil ich so selten zu Hause bin.“

Den gleichen Aufwand betreibt auch Robert Hittel, um seine sportlichen Ziele zu erreichen. „Wir trainieren montags bis donnerstags jeden Morgen mit der 7er-Nationalmannschaft. Dazu kommen dann noch die Einheiten im Verein. Da kommt es häufig vor, dass man zweimal am Tag trainiert“, erklärt Hittel. Für ihn bedeutet dies, um sieben Uhr aufstehen, trainieren, danach Frühstücken und gleich weiter zur Universität nach Mannheim fahren. Ein Sportstipendium hilft ihm dabei, diesen Aufwand organisatorisch und finanziell unter einen Hut zu bekommen sowie Leistungssport und Studium erfolgreich gestalten zu können. „Selbstverständlich erhalte ich aber auch in allen Belangen Unterstützung durch meine Familie“, betont der Student.

Biniak und Hittel haben ihre sportlichen Ziele eindeutig definiert. Beide wollen sich im 7er-Rugby weiterentwickeln und für weitere Aufgaben in der DRV XV empfehlen. „Der Nationaltrainer kennt uns gut aus den täglichen 7er-Einheiten und gibt uns deshalb eine Chance, bei einem 15er-Spiel mitzuwirken, um zu sehen, wie wir uns anstellen“, sagt Robert Hittel. Tim Biniak will mit der DRV VII das WM-Qualifikationsturnier erreichen. „Zudem möchte ich ständiger Teil der 15er-Nationalmannschaft werden“, betont Biniak. Die breite Akzeptanz in der DRV XV erleichtert es dem Duo, seine Ziele zu erreichen. „Die Atmosphäre ist sehr gut, freundlich, locker und entspannt. Durch die Trainingseinheiten am Stützpunkt kennt man sich auch, das erleichtert das Eingliedern in die Mannschaft“, erklärt Robert Hittel.

Und als Quereinsteiger aus der olympischen Variante sehen sich beide Spieler nicht. „Kobus Potgieter hat uns nicht wegen unserer 7er-Qualitäten nominiert, sondern für das, was wir in den vergangenen Spielen in der Bundesliga geleistet haben“, sagt Tim Biniak selbstbewusst. Zumal beide Spieler Übersicht, gutes Passspiel und Fitness aus dem 7er-Rugby mitbringen. Einem erfolgreichen Debüt in der 15er-Nationalmannschaft steht somit nichts im Wege.